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Rückblick

Rückblick und Zukunftsperspektiven der LSZ

Dr. Alfred Oster, LSZ Forchheim

Einstieg 

Sein Jahrhundert kann man nicht ändern; aber man kann sich dagegen stellen und glückliche Wirkungen vorbereiten. Dies schrieb Goethe an Schiller vor 200 Jahren. Wir gedenken zur Zeit der badischen Revolution vor 150 Jahren. Da nehmen wir uns mit unseren 80 Jahren Lehr- und Versuchsgut eher bescheiden aus. Es spricht aber für das Musterländle, daß hier die älteste deutsche Schweineanstalt steht.

1. Vom Exerzierplatz zum Versuchsgut 

Das Versuchs- und Lehrgut der badischen Landwirtschaftskammer, wie es anfangs hieß, wurde 1917 gegründet. Zuvor war es hundert Jahre Exerzierplatz für unterschiedliche militärische Verbände. Der Forchheimer Exerzierplatz war im ganzen badischen Land bekannt, weil auf ihm die Kaiserparaden stattfanden, zu denen Seine Majestät Kaiser Wilhelm II mehrmals höchst persönlich, zuletzt 1909 nach Forchheim kam. Sein Weg ging von dem für die Kaiserparaden im Jahr 1903 erbauten Bahnhof entweder hoch zu Roß oder in einer achtspännigen Kutsche zu dem Exerzierplatz. 

An Pacht erzielte die Gemeinde bei Aufgabe des Exerzierplatzes 7000 Reichsmark. Das waren 16% des gesamten Haushaltsvolumen. Daher hätte die Gemeinde Forchheim den Exerzierplatz am liebsten weiter verpachtet. Auch damals war die Stadt Karlsruhe schon an diesem Gelände interessiert. Es gelang jedoch der Badischen Landwirtschaftskammer den Exerzierplatz am 14. April des Kriegsjahres 1917 zu kaufen. 

Der Verkauf war in der Bevölkerung in Forchheim sehr umstritten, da 125 ha Land für 20 Pfennig pro qm verkauft wurden. In mündlicher Überlieferung geblieben ist die Verurteilung des Verkaufes durch den damaligen Wirt zur "Lokalbahn". Der Leicht Lorenz machte den SPD-Gemeinderäten, immer wieder den Vorwurf: "Ihr habt den Exerzierplatz verkitscht!" 

 Auf der anderen Seite waren nun die Voraussetzung geschaffen, daß sich Forchheim zu einem Zentrum landwirtschaftlicher Versuchsanstalten entwickelte. Viele Rheinstettener fanden Arbeit und Brot, die vielfältigen Bau- und Reparaturabeiten gaben größeren und kleineren Firmen in der Region Verdienstmöglichkeiten. Der Name Forchheim wurde in die Welt getragen. Noch heute kommen nach Jahrzehnten Menschen aus Nah und Fern nach Forchheim um voller Dankbarkeit über ihre Aus- und Fortbildung zu berichten. 

Fast gleichzeitig mit dem Versuchs- und Lehrgut entstand schon 1919 das Versuchsfeld Erdrich für Kartoffel- und Getreidesortenprüfung. 1927 wurde das Reichstabaksinstitut unter Prof. Dr. König gegründet. Im Jahr 1932 entstand unter Landwirtschaftsrat Saaler an dem vor dem Bahnhof vorbeiziehenden Sauhausweg die alte Schweinemastprüfanstalt. Im Oktober 1961 wurde das Richtfest der neuen Schweinemastprüfanstalt Baden-Württemberg gefeiert. In einer kurzen Bauzeit war auf einem 4 ha großen Gelände ein landwirtschaftliches Forschungsinstitut entstanden, das für die weitere Entwicklung der Schweinezucht von großer Bedeutung war.

2. Das Entstehen des Versuchs- und Lehrgutes

Zurück zu den Anfängen im Versuchs- und Lehrgut. Ein kleines Haus stand am Anfang als Büro und Küche zur Verfügung. Ein Holzschuppen wurde mitbenutzt, in dem zuvor mit einer Dampfmaschine Kraut und Kartoffeln für die Soldaten gedörrt worden war. Ein kleines Häuschen für 4 Pferde und 4 Kühe wurde erstellt. Das Feld wurde nach und nach von Unrat und Steinen gesäubert und bestellt.1920 wurde der alte Kuhstall für 10 Kühe gebaut. In der gleichen Zeit wurde der alte Pferdestall, der alte Saustall und der Roggenspeicher erstellt. Alle Bauten hatten den gleichen Baustil, mit Holz ausgeriegelt und außen mit Brettern verschalt. 1921 kam dann die Villa und das Wohnheim sowie das Arbeiterwohnhaus dazu. Schweine wurden nicht nur in Ställen, sondern auch auf der Wiese, in Hütten und im Wäldle gehalten. 1928 wurde der neue Stall für 40 Kühe und 20 Jungvieh aufgebaut. 

Dies alles wurde unter dem damaligen Leiter Herrn Landwirtschaftsrat Selg verwirklicht. Unter seiner Leitung war auch der Schulbetrieb aufgebaut worden. Jährlich kamen 10 Praktikanten für 2 Jahre, die später in Stuttgart-Hohenheim studierten. Von Oktober bis Ende März war morgens Unterricht und zwar 1 Jahr Ackerbau und 1 Jahr Viehzucht. Unter Herrn Selg erhielt die Lehr- und Versuchsanstalt in den Grundzügen das heutige charakteristische bauliche Aussehen. Am 19. August 1937, kurz vor seinem 60ten Geburtstag starb er. Seine Kraft, die er 19 Jahre dem Aufbau und der Führung des Versuchs- und Lehrgutes geschenkt hatte, war verbraucht. Sein Nachfolger wurde 1939 Herr Ketterer.

3. Kriegs- und Nachkriegsjahre im Versuchsgut 

Bereits ab 1933 gehörte das Versuchsgut wie fast alle derartigen Einrichtungen zum Reichsnährstand. Die Situation von 1944 wird am besten durch Herrn Essig, Landwirt in Forchheim geschildert, der damals Lehrling im Versuchsgut war. 

 Am 1.4.1944 waren beschäftigt: Herr Ketterer, Frau Simon als Sekretärin, 3 Lehrlinge im Außenbetrieb, 4 Lehrlinge im Kuhstall und ca. 20-25 Gefangene. Herr Gumbiller war Melkermeister und gleichzeitig zuständig für den Schweinemastbetrieb. Die Arbeiter im Außenbetrieb waren Herr Zwirner (Onkel von unserem heutigen Mitarbeiter Armin Zwirner) und Herr Barth. In der Werkstatt arbeiteten Herr Lauer, der Vater von unserer Frau Müller, Herr Schima in der Mühle. Der Viehbestand war auf 2 Paar Pferde, 1 Einzelpferd und 2 Paar Ochsen geschrumpft. 2 Lanz-Schlepper mit 20 und 35 PS sowie 1 Fahr-Schlepper mit Holzvergaser rundeten das Bild ab. Ca. 45 Milchkühe mit Nachzucht (insgesamt 130 Rindviecher) und rund 30 Muttersauen (rund 150 Schweine, Läufer und Ferkel) waren zu diesem Zeitpunkt noch auf dem Betrieb. 

Die Kriegswirren fanden ihren Höhepunkt als am 4. Dezember 1944 bei einem Fliegerangriff auf Karlsruhe die Villa, der neue Saustall und ein Teil der Feldscheune zerstört wurden. Eine große Anzahl von Mutterschweinen und Ferkeln verbrannte, die gesamte Strohernte wurde ein Raub der Flammen. Für die Einstreu mußte im Frühjahr 1945 Laub im Wald zusammengerecht werden. Kurz vor dem Kriegsende haben dann noch Soldaten zwei Pferde, zwei Schlepper und zwei Wagen mitgenommen. Nach Kriegsende stahlen Polen und Franzosen fast alles, was noch übrig war. Ein paar wertvolle Sauen hatte man aber im Keller und ein paar Kälber auf dem Heuboden in einer Heuhöhle versteckt. Dramatisch wurde es als man Herrn Ketterer nach dem Leben trachtete und nur durch die Zivilcourage der eigenen Gefangenen wurde verhindert, daß er erschossen wurde. 

Die karge Bilanz zu Kriegsende waren 1 Fahr-Holzvergaser, 1 Pferd und 2 Paar Ochsen, 15 Kühe und 3 Rinder sowie einige Schweine. Aber man hatte überlebt. Es konnte nur aufwärts gehen. 1952 wurde der erste Mähdrescher gekauft. Durch eine rege Versuchstätigkeit auf dem Acker, im Vieh- und Schweinestall und durch die Prüfung von Maschinen, Geräten, Dünge- und Futtermitteln gelang es Herrn Ketterer innerhalb kurzer Zeit die Ergebnisse der Forschung und des technischen Fortschrittes der breiten Praxis näher zu bringen. Seine vielseitige und verantwortungsvolle Tätigkeit wurde durch die Mitarbeit seiner Gattin, die dem großen Gutshaushalt vorstand und als Lehrfrau wirkte, glücklich ergänzt.

4. Der Aufbau nach dem 2. Weltkrieg 

Als am 11. November 1955 Herr Ketterer starb, wurde Herr Rieger als sein Nachfolger benannt. Unter dem allseits geschätzten Aufseher Veith wurden Erbsen, Bohnen und Rüben angebaut. Viele Forchheimer verdienten ihr erstes Geld beim Bohnenzupfen im Versuchsgut. Herr Gumbiller, der Reichssieger im Melken war, produzierte wie vor dem Krieg Vorzugsmilch, die letzten Hengste mit den schönen Namen Cäsar und Cicero verschwanden. Im Schweinestall betrieb auf höchstem Niveau Schweinemeister Engel eine überall bekannte Herdbuchzucht. 1965 kamen die Hühner zusätzlich auf den Hof um die damaligen bäuerlichen Hühnerhaltungen fachlich zu unterstützen. 

In den 50er und 60er Jahren entwickelte sich in der Rieger-Ära eine rege Bautätigkeit.

1959/60 wurde das Verwaltungsgebäude bzw. Internat mit Küche gebaut. Der alte zugige Unterrichtsraum wurde gegenüber dem Trafohäuschen endlich aufgelöst. Ein neuer Offenstall wurde gebaut. 1958 kam Herr Hildt als Versuchstechniker an die Anstalt und hat den Aufbau der Versuchstätigkeit wesentlich mitbestimmt.

Ende der 60er Jahre erfolgte der Schritt zu einem spezialisierten Schweinebetrieb. Man trennte sich von allen anderen Tierarten. In einem schmerzlichen, aber richtigen Schritt wurde die wertvolle Fleckviehherde aufgelöst. Die Ausrichtung auf einen Schweineversuchsbetrieb erfolgte unter entscheidender Mitwirkung von Dr. Fiedler, der in den 60er Jahren als Mitarbeiter nach Forchheim kam.

5. Gründung und Entwicklung der Landesanstalt für Schweinezucht Forchheim 

Wir können heute ein weiterer Jubiläum feiern, seit 20 Jahren besteht die Landesanstalt für Schweinezucht, die mit Wirkung vom 1. Januar 1977 die bisherige Versuchs- und Lehranstalt mit der Staatlichen Mastprüfungsanstalt vereinigte. Daß dies so reibungslos vonstatten ging, war das persönliche Verdienst des damaligen Leiters Dr. Martin. Der Name der Anstalt beinhaltet die Namen Zucht und Anstalt, die manchmal Grund für Irrationen gaben. Dies gilt auch für den Namen Forchheim, der oft in Bayern angesiedelt wird. In der Bevölkerung ist die Landesanstalt für Schweinezucht immer noch das "Gut" geblieben. Intern hat sich die Entwicklung zu einem Kompetenzzentrum für die Schweineproduktion aber längst vollzogen.

Querverbindungen zu allen möglichen Instituten, Firmen und vor allem Menschen ermöglichte im Versuchswesen, aber auch in der Prüfanstalt die Einführung neuer Verfahren und Anwendungen. Wir haben eine sehr große Unterstützung durch das Ministerium erfahren und hatten in der Hochbauverwaltung eine ständige Hilfe. Man fand immer Mittel und Wege, um Versuche durchzuführen. Die Kontakte zu der Uni Hohenheim, zu allen, die Rang und Namen in der Schweineproduktion hatten, bewirkten, daß Forchheim immer die Nase im Wind hatte. Zu nennen sind zahlreiche Fütterungs- und Haltungsversuche, die Testung des Hybridzuchtprogrammes Baden-Württemberg, der Halothantest sowie die Untersuchung von vielen kleinen Detailfragen. Dr. Fiedler und andere Mitarbeiter waren extrem in Vorträgen gefragt. 

Das Jahr 1988 war erneut eine Zäsur in Forchheim. 5 Mio. waren für die Hybridprüfstation, das Schlachthaus und die Prüfställe bewilligt, komplizierte jahrelange Bauanträge waren positiv entschieden. Im Versuchsbereich hatte man ebenfalls Planungen entwickelt. Die Anstalt war im Begriff durchzustarten, ich erinnere nur an den Begriff Forchheim 2000, den Dr. Fiedler bereits vor 20 Jahren geprägte hatte. Durch die Standortdiskussion wurden die Bauverfahren gestoppt. Dennoch gelang es das Schlachthaus Anfang der 90er Jahre auszubauen, unsere Güllelagerung vorbildlich zu regeln, neue Abruffütterungen in Zuchtsauen- und für den Stichprobentest einzuführen, den Ruhestall und den Wiedmannstall zu bauen. In der Klassifizierung und in der Fleischbeschaffenheit war die Landesanstalt im Land an vielen Schlachthöfen unterwegs. Für das Herkunfts- und Qualitätszeichen Baden-Württemberg wurde im Frischfleischsektor wichtige Grundlagen geschaffen. 

Die Standortfrage belastet Personal und Anstalt seit nunmehr knapp 10 Jahren. Dennoch haben wir nicht resigniert, sondern in aller Bescheidenheit das Beste aus der Situation und unseren Möglichkeiten gemacht. In einer Anstalt, in der Innovation Voraussetzung für Akzeptanz ist, ist dies nicht einfach, weil jeder Einzelne in der Anstalt für den augenblicklichen Zustand verantwortlich gemacht wird.

6. Bedeutung der Schweineanstalten für den Technologietransfer 

Eine Anstalt muß jährlich ständig neue Vorhaben realisieren. Dabei spannt sich der Bogen von Haltungs-, Stallbau-, Fütterungs- und Managementfragen bis zur Aus- und Fortbildung. Sie muß die entscheidenden praktischen Themen belegen. Wünschenswert ist nicht nur der Themenbereich Produktion, sondern auch eine weitergehende Integration der Bauberatung und der Betriebswirtschaft. Gleichzeitig ist der spezialisierte Schweinebetrieb in Zusammenhang mit seiner Versorgung vom Acker und seiner Entsorgung über die Gülle zu sehen. Letztendlich ist ein spezialisierter Schweinebetrieb in Forchheim zu betreiben, der für die aktuellen Fragen der Futterversorgung, der neuesten technischen Verfahren und die Nutzung aller wirtschaftlichen Möglichkeiten Anschauungsmaterial bietet. 

Ein ständiger steigender Konkurrenzkampf erlaubt es auch nicht, alles am Schreibtisch zu entwickeln und in Holland und in Dänemark nachzuschauen, was wir in 10 Jahren umsetzen wollen. Bei rivalisierenden Märkten, wo in kürzester Zeit Marktanteile in erschreckendem Ausmaß verschoben werden, zählt die Summierung von kleinen Vorteilen. Interessanterweise haben die Regionen, die ihre Marktanteile gesteigert haben, immer großen Wert auf Anstalten gelegt, die in der Lage waren, diesen Vorsprung zu begleiten. Erfahrungen der Anstalten helfen erst ein interessantes Verfahren auch erfolgreich umzusetzen. Gefragt sind eine Fülle von Detailwissen im praktischen Geschehen. Es geht nicht nur um ständig neue Bauten und Einrichtungen, sondern um die schnelle Bilanzierung von neuen Verfahren, Methoden und Erfindungen insgesamt.

Auch das Vermitteln von Grundwissen an Neueinsteiger ist von großer Bedeutung. Nicht der Computer oder Internetanschluß entscheidet über den Erfolg, sondern das praktische Spezialwissen und eine flexible Reaktion. Das Wissen muß jeder Mensch sich selbst erwerben, die Konkurrenz legt nicht ihre wahren Erfolgsgeheimnisse offen dar. Man fühlt sich an die Geschichte erinnert, die unserer sächsischer Mathematiklehrer uns in der Quarta erzählte. Vor dem Krieg gab die Wetterstation Leipzig immer die sichersten Prognosen ab. Bei einem Ausflug der Wetterstation Stuttgart nach Leipzig ergab sich, daß dort keine große Einrichtung war, man immer eine halbe Stunde später den Wetterbericht sendete und sich etwas gegenteilig als die anderen Wetterstationen erklärte und damit eine hohe Trefferquote errichtete. 

In Deutschland gibt es unterschiedliche Formen der Lehr- und Versuchsanstalten. Die Form eines Kompetenzzentrums, das Lehre, Forschung und Prüfanstalt gleichermaßen beinhaltet, ist selten. Diesen Vorteil haben wir in Baden-Württemberg. Eine Kombination über unterschiedliche Tierarten beinhaltet die Gefahr eines zoologischen Tierparks. Denkbar wäre jedoch eine zusätzliche Aufgabestellung von Forchheim wie es auch schon war, auf den Wachstumsmärkten Geflügel oder auch Randbereichen wie Kaninchen aktiv zu werden.

Zwangsläufig ergeben sich Querverbindungen zum Ackerbau und dem Feldversuchswesen. Hier sind vielfältige Versuche hinsichtlich der Verwertung der Gülle notwendig. Der wichtigste Ansprechpartner bleibt und ist in erster Linie der praktische Landwirt, der in der Schweinehaltung sein Geld verdient und hierzu in der Regel einen entsprechenden Ackerbaubetrieb betreibt. Eine Doppelgleisigkeit bezüglich der Versuchskapazitäten im Landwirtschaft- und Kultusbereich sollte vermieden werden. Am Ende dieser Kette sollte der Verbraucher stehen, dem das Produkt Fleisch vermittelt werden soll. Deshalb haben wir auch für unsere vielfältigen Lehrgänge als festen Bestandteil die Zerlegung und Verwertung von Schweinefleisch eingefügt.

7. Zukünftige persönliche und technische Voraussetzungen für eine europäische Schweineanstalt

Fragestellungen in einem Ausbildungs-, Versuchs- und Prüfzentrum ändern sich ständig, wobei es naturgemäß auch Dauerbrenner in Fütterung und Haltung gibt. Zum Teil ist auch Wissen verloren gegangen und muß wieder neu vermittelt werden. Eine Anstalt für die Zukunft sollte folgende Kapazitäten beinhalten.· 

  • Ständiger Bedarf an Spitzenkräften mit spezialisiertem Fachwissen ist notwendig, wobei die gleichzeitige Einbindung in das Betriebsgeschehen Voraussetzung ist. Bei "Einzelkämpfern" besteht immer die Gefahr, daß sogenannte "Lieblingsmodelle" gepflegt werden. Neue Verfahren sind kontrovers zu diskutieren, dann aber eindeutig zu evaluieren.
  • EDV-Experten, die sich sowohl im Internet darstellen können als auch in der vielfältigen EDV im Schlachthaus und Stall auf dem neuesten Stand sind, sind Voraussetzung für den Erfolg. In einer Anstalt ist auch Bordpersonal unentbehrlich, das Anlagen elektronisch und technisch beherrscht.
  • Eine Sauenherde von 200 Tieren ist Voraussetzung, daß mindestens zwei Verfahren parallel getestet werden können. In den Niederlanden sind 400 Sauen Standard, wobei gleichzeitig 4 verschiedene Haltungs- und Fütterungsverfahren getestet werden. Berücksichtigt werden muß, daß für Versuche mit Alternativverfahren auch entsprechende Herdengrößen notwendig sind.
  • Jährlich sollten 1000 Mastschweine für unterschiedliche Haltungs- und Fütterungsversuche zur Verfügung stehen. Dabei wird davon ausgegangen, daß ein Versuch innerhalb eines Jahres abgeschlossen werden muß und mit Vergleichsgruppe ca. 100 bis 200 Schweine erfordert. Alternative und einfacher Haltungsverfahren sind miteinzubinden, jedoch nicht als alleinige Verfahren zu favorisieren. Die Ferkelversuche sind in Verbindung zur Sauenzahl und der Anzahl der Mastschweine zu sehen. Eine Baulehrschau macht nur für bestimmte Detailfragen Sinn. Härtetest und Beurteilung von Verfahren setzt den praktischen Einsatz im Stall voraus. Wichtiger ist es kleine Beispielseinheiten als Muster zu bauen und auch komplette Ställe umzubauen. Gleichzeitig können diese Verfahren dann als Gesamtlösungen in Lehrgängen erarbeitet werden.
  • Alle Verfahren sind mit Kalkulationsdaten zu ergänzen und betriebswirtschaftlich insgesamt zu bewerten. Durch den Einsatz von Einzelmaßnahmen wie beispielsweise neue Futterautomaten werden Kalkulationsdaten entscheidend verbessert. Wer dies nicht weiß und zu teuer einsteigt, läuft Gefahr nicht mehr mithalten zu können.
  • In der Leistungsprüfung sollte die komplette Umstellung auf Abruffütterung erfolgen. Vorschläge und Ideen von Forchheim lösten bereits entsprechende Umstellungen in der gesamten Republik aus. In Forchheim selbst wurden bisher lediglich 4 Stationen für den Stichprobentest eingerichtet.
  • Vielfältige Untersuchungen für das Produkt Schweinefleisch sind Voraussetzung für einen sicheren Erkenntnisstand und Wissensstand. Fragestellungen sind an der "Schweinemode" auszurichten. Klassifizierung und Fleischbeschaffenheit sind Klassiker, Fettbeschaffenheit ist ein Dauerthema, intramuskulärer Fettanteil ein Pflichtprogramm.
  • Wissensvermittlung an unterschiedliche Gruppen ist wichtig. Wenn ein jugendlicher Mensch sich aus irgendwelchen Gründen als Vegetarier entscheidet und alle wichtigen Argumente für das hochwertige Fleisch negiert, bedeutet dies, daß er ca. 70 Jahre kein Fleisch ißt und damit seinen Solidaritätsbeitrag für den Landschaftspfleger Landwirt in der einfachsten Form nicht mehr entrichtet, da dieser nur durch eine entsprechende Veredlung existieren kann. Entscheiden sich 10 oder 20% eines Jahrgangs aufgrund mangelnder oder fehlerhafter Information zum Vegetarier, kann dies auf eine Produktion verheerende Auswirkungen haben. Vertrauensbildende Maßnahmen der Verbraucheraufklärung sind somit eine Grundvoraussetzung.
  • Ausschalten von Fehlern und Verbessern der Betriebsabläufe im Schweinestall sind für den wirtschaftlichen Erfolg entscheidend. Um- und Erweiterungsbauten sind ein weites Feld für die Beratung. Genauso ist mit dem Stallklimadienst. Wobei aus unserer Sicht eine stärkere Bindung an Forchheim wichtig wäre. In enger Verbindung sind hier Fragen zur Schweinegesundheit zu sehen.
8. Die Zukunft von Forchheim

In einer Jubiläumsveranstaltung ist es nicht angebracht, überschäumend zu jubeln, sondern auch in die Zukunft zu sehen. Der Druck auf die Schweineproduktion wird europaweit ansteigen. Entscheidend wird sein, wie man regional mithalten kann. Es sollte daher eine mittelfristige Planung erfolgen, die sich an den nächsten 4-5 Jahren orientiert. Die Landesanstalt für Schweinezucht verfügt über 50 gebäudeähnlichen Einrichtugen auf einem Gelände von ca. 6 ha, das Kabel-, Abwasser und Güllenetz erstreckt sich über mehrere Kilometer. Investitionen in Höhe von 5 Mio. DM sind für das Kompetenzzentrum dringend notwendig: Diese konzentrieren sich auf Schlachthaus, Anlieferungsstall für die Leistungsprüfung, Gästehaus, Aufzucht- und Abferkelstall sowie neue Demonstrationsställe für die Schweinemast.

Wenn wir in unserer Anstalt wie in einem Märchen drei Wünsche frei hätten, würden wir uns als 

  1. eine ständige Ergänzung mit jungen Leuten wünschen. 
  2. sollten auch neue Aufgabenfelder im Bereich von Stallklimadiensten, Wirtschaftlichkeit, Klassifizierung und EDV stärker herausgestellt werden können.  Und
  3. wäre es sehr wichtig, daß die Investitionsmöglichkeiten wieder aufleben, damit die Rationalisierungsmöglichkeiten wieder neue Spielräume schaffen und die Attraktivität gewährleistet ist.
65 Jahre Leistungsprüfung


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